Ausflug zum Wunder von Domodossola

Guten Morgen!

Heute erwartete Sie ein Führung durch

#Domodossola_stadtderliebe

Wesentlich aber ein Ausflug zur

Chiesa della croce

Heute ist Montag und der Domplatz von

#Domodossola_stadtderliebe

Wie immer leer:

Schwäne, Enten und andere

Besucher betrachten heute

Den berühmten Platz von oben!

Der wird vom Hühnerschiss der freilaufenden Hühner,

der Kuh-, Hunde-, Schwein-, Pferdescheiße und dem

Erbrochenen der Betrunkenen gesäubert ….Wir verlassen

#Domodossola_stadtderliebe

Und folgen etwas ausgesetzt

Dem Weg Nr. 1001, der zur

Chiesa della croce führtIn der, das Wunder des

Hl. Sebastian sich jährlich

Am 20. Januar wiederholt

Die Kirche ist, wie schwebend

Über dem tosenden Meer vor

Undenklicher Zeit errichtet worden

In Massen strömen Mensch & Tier

Jährlich am 20. Januar hierher

Um das Wunder zu schauen!Und hier sehen Sie nun das große Geheimnis von

#Domodossola_stadtderliebe

Immer zum Jahreswechsel beginnen die Wunden

Des Hl. Sebastian zu bluten

Aus denen im

Laufe der nächsten Wochen

Wie durch ein Wunder

Rosen, Mirabellen und Primeln wachsen….Gott sei gedankt

Führt der Rückweg übers Land

Vorbei an einer

Orthodox aussehenden Kapelle

Welche auch dem Hl. Sebastian

Gewidmet istDie Kapelle zu besuchen lohnt sich

Finden wir in ihr doch ein Darstellung des

Hl. Sebastian aus dem 20. Jahrhundert

In der das Wunder

Wohl pathetisch, aber weniger blutig

Dargestellt worden ist!Der weitere Weg, zurück nach

#Domodossola_stadtderliebe

Führt wieder am Strand entlang

Wo wir einige Ruinen

Der optimistischen Moderne bestaunen

Die Wirkung der Meersalz-Luft hat

Die Armiereisen rosten lassen

Das sieht aus

Als würden die Gebäude verbluten…Am Späten Nachmittag setzen Sie sich

Auf den „piazza delle zuppa di drippa“

Und trinken einen Caffe-corretto

Den werden Sie jetzt wirklich brauchen

Vielleicht sehen Sie auch die

Carabossa die sich hier gern etwas

Mondän gibt!Genießen Sie den Abend

Und wenn Sie sich fragen sollten:

Was wohl das Wunder des

Hl. Sebastian mir sagt?

Die Antwort müssen Sie nicht finden

Der Traum und die Sterne

Werden alles wieder richten

Bei der Palmina

Bei der Palmina

„Wir treffen uns bei der Palmina!“ Ein Sprachfetzen aus dem Gespräch zweier Frauen, den ich behielt. Kurz danach hörte ich ein kleines Mädchen zur Mutter sagen, die im Gespräch mit einer Freundin war und dabei deren Aufsteckfrisur zurechtmachte: „Bei der Palmina!“ und fort war das muntere junge Wesen.

Später, als ich nach dem Hauptplatz fragte – Domodossola ist ja nicht sehr groß – hörte ich wieder das Wort, das mich an Palmfett erinnerte: „Sie gehen da vorne an der Palmina vorbei und schon sehen Sie rechts vor Ihnen die Via Palmina, die auf den großen Stadtplatz zuführt.

Das war sie nun, „Die Palmina“! Ich stand vor einer Statue, ich nenne sie Statue, auch wenn das zu dem ich aufblickte, eher wie eine poppige Werbung aussieht. Wofür wirbt diese füllige Dame da auf dem Sockel? Für ihren Mann, den sie wie eine Baguette an ihren Busen gedrückt hält?

In dieser alten Stadt mit Renaissancehäusern, deren Farben Jahrhunderte freilegen, ist diese schrille Polyesterfigur auf weißem Marmorsockel auf einem engen Platz eher eine unerwartete Begegnung.

Es war gar nicht möglich, von den grellen Farben abzusehen, sie und die Figur musste man einfach als gegeben hinnehmen. Das ultramarin-blaue Kleid sprang mich geradezu an, die weißen Haare mit jenem obgligatorischen Violetton der gepflegten älteren Dame und der prangende Goldschmuck an Hals und Armgelenk, ein Inkarnat, dessen geschminkte Tönung  vom blassen Puderweiß zum gehöhten Rouge der Wangen sich zu steigern wusste, kontrastierend zu den abblätternden antiken Fassaden, den wohl proportionierten aber blinden Fenstern, in denen die Figur gebrochen sich spiegelte.

Mein Blick blieb nicht hängen an der künstlichen Natürlichkeit der Dame, nein, er wanderte immer von ihrem reizendem Glanz zu dem Männchen, das sie an sich gedrückt hatte und der einen Strauß Blumen in der Hand hielt.

Ordentlich und korrekt war alles an ihm: Scheitel geradegezogen, blau, weiß gestreiftes Hemd mit abgesetzt weißem Kragen, Krawatte, Gilet und feinstem Nadelstreifenanzug. Die Schuhe: natürlich, polierte Budapester Leiste, wie üblich konservativ gelocht!

Und sein Gesichtsausdruck? Einer jener Männer, die im hohen Alter immer noch ein Kind sind, wobei die Milde des Alters diesen kindlichen Ausdruck noch verstärkt. Alles an ihm war angelegt und gebügelt. Würde er noch leben, wäre er pflegeleicht, zumindest sieht alles danach aus!

Genauso verblüffend wie sich „Palmina“ angekündigte und für einige Minuten die Aufmerksamkeit voll auf sich gezogen hatte, so schnell war sie wieder fort.

Es wird wohl der Elefant gewesen sein, den ich am Hauptplatz vermutete, der mich von der Statue fortzog. Am Abend und an den nächsten Tage erinnerte ich mich an diese Erscheinung und ich zeichnete die Figur, irgendwann malte ich sie auch, aber wie so oft verlor ich sie in all dem Getriebe und damit waren auch alle Fragen, die ich mir stellt hatte fort.

Nicht einmal die Frage, wer der Mann war, hatte sich mir eingeprägt, den sie mit sich trug und – wer war die Dame? Ist das die Idee eines Künstlers oder gibt es eine wirkliche Begebenheit, auf die diese Skulptur verweist. Steht die Plastik doch auf einem öffentlichen Platz, da müsste es doch eine Erklärung geben.

Nach Jahren stieß ich erst wieder beim Durchblättern meiner Zeichenbücher auf „Palmina“ und erneut erweckte deses Denkmal mein Interesse.

Das Zeichenbuch, geöffnet in Mitten des Schreibtisches liegend, sollte mich daran erinnern, dem Rätsel nachzugehen. Nach Tagen war die Frage aber wieder vergessen und nur noch das Buch lag herum und war im Weg, so stellte ich es zurück ins Regal.

Das Ehepaar Belllini-Wolf war zu Tisch geladen. Norma bewunderte überschwänglich die Aussicht, die Terrasse und die Blumen, während Boby mir das Gastgeschenk übergab, dem ich keine Aufmerksamkeit widmen konnte, da seine Frau in Ton und Auftritt den Raum beherrschte.

Normas Haken, die ihre schlenkernden Arme in die Luft zeichneten, waren wirklich bedeutend. So ausfahrende Bewegungen wären gar nicht nötig, war sie doch groß gewachsen, hatte ein breiten Becken, nicht zu übersehenden Schultern, die bei dem Trägerkleid, das sie trug, wie übergroße Kleiderbügel wirkten. Sie war schlank, aber alles war an ihr groß, Hände, Füße, und unübersehbar Kinn, Kiefer und Gebiss, manches Pferd muss sie darum beneidet haben.

Zu dem Gesamtbild passte auch die selbstbewusst sonore Stimme, die ohne laut sein zu müssen, herrschte. Ich hörte ihr gerne zu, sprach sie doch im Tonfall jener städtischen Bürger, deren Gemüt unumstößlich gemütlich wirkt, aber nicht in Frage zu stellen ist.

Sie hatte neben ihrem Boby an der gedeckte Tafel Platz genommen, trug ein elegantes Kleid, das mit den Porten dezent an ein Dirndl erinnerte, aber ihre Frisur……?

„Typisch Deutsch! Die nicht mehr ganz junge Dame trägt immer noch Pubikopf und ist stolz auf ihre natürlich ergrautes Haare?“

Den bummeligen Bob, der um zwei Kopfe kleiner wie seine Frau war! kleidete eine roten Golfpullover mit weißem Saum, Schnürlsamthose mit blau geflochtenem Gürtel und Altherren-Freizeit-Mokassins. Norma wird es für ihn ausgesucht haben.

Jetzt darf ich Grit Schniders und ihren Freund den tischlernden Psychologe nicht ganz unterschlagen. Grit war auch nicht ohne, auf Gruppenfotos hatte sie sich immer gut sichtbar platziert, auch heute war sie so gekleidet. Jeder erfuhr gleich von ihr, das bedruckte Short hat sie in Mailand gekauft, auch die geblumte Hose – die gerade in ist – schmiegte sich eng an der Jungmädchenkörper der eiften Dame an

Und ihr Freund? ich erinnere mich nur an seine dunklen Augen die aus einem Kahlkopf einem fixierten, ansonst ging sein Äußeres, in dem was wir immer und überall sehen, unter.

Die Fritattensuppe war aufgetragen, jeder hatte etwas von seinen Kindern zu erzählen –  wir waren, als unsere Kinder noch zur Schule gingen im Elternverein der Waldorfschule tätig –  so war jeder neugierig, wie es den Kindern der Anderen inzwischen ergangen war.

Der Braten mit Serviettenknödel kam, das Rotkraut wurde gelobt, aber nicht gegessen, und Frau Schnider hatte von ihrem Robin zu erzählen begonnen, der in der Schule immer so gut gewesen war, aber danach muss alles schief gelaufen sein. Die Frau ist fort, er steht mit den zwei Kindern alleine da, die jetzt meist bei der Großmutter, bei ihr abgestellt wurden, die Firma pleite, Wohnung gepfändet usw.

Wir stocherte in den  Tellern, betretene Blicke wurden gewechselt und ich dachte, vielleicht ist Normas Exaltiertheit heute gar kein Problem,  da übernahm diese die Führung, wechselte abrupt das Thema, kam auf die eigene Kindheit zu sprechen in der wir doch alle farblos herumgelaufen waren, uns über den ersten Kaki gefreut hatten undschwups war sie mit einer ihrer typischen schlenkernden Armbewegung bei den Verwandten und Tanten angekommen, die doch alle so interessant waren: „Wir sollten uns doch an ihnen ein Vorbild nehmen !“ meinte sie.

Dabei zitterte eines ihrer Augen als bedarf es dafür große Anstrengungen.

„Ich weiß nicht, ob meine Tante Olly ein Vorbild sein kann?“ warf ich in die Runde.

Grits Freund, der sichtlich erleichtert war, dass das Thema Robi vom Tisch war – muss für ihn auch nicht einfach sein, dachte ich – fragte nach Tante Olly: „Magst nicht erzählen wer diese Tante war“.

Nach dem Norma wieder einen ihrer Haken in die Luft gezeichnet hatte, Boby mich aufmunternd angeblickt und Grit einen Krümel von der Hose ihres Freundes entfernt hatte begann ich zu erzählen:

„Ja, es ist wunderbar von Tante Olly, einer Jugendfreundin meiner Mutter zu erzählen aber im Leben nervte sie uns, meine Schwester und mich gewaltig.“

„Ward ihr nun verwandt oder war es, wie man so sagt, eine Nenntante?“ warf Norma ein, wobei dasselbe Auge wieder zuckte

An der Rezeption des Weißen Rössels in Kitzbühel, da machte sie schon was her. Ihre herbe Gestalt mit den borstigen Haaren, von mehreren Friseuren zur ansehnlichen Friseur aufgetürmt und  in einem Kostüm, mit dem die Königin von England vor kurzem noch in der Illustrierten abgebildet war, sprach sie ein Englisch, grammatikalisch sicher nicht immer korrekt, aber um so vollmundig vorgetragen, als hätte sie es auf dem Ascot Racecourse geübt und das Prononcieren in Oxford erlernt.

Natürlich konnte sie damit mehr den anderen Angestellten und mir imponieren, als den englisch- und amerikanischen Gästen. Im Foyer, versunken in einem gewaltigen Sofa warten ich, von der Mutter abgesetzt, bis die gestrenge Tante Zeit für mich finden wird, aber das dauerte.

Dann wies sie mir einen Tisch im Speisesaal zu, wo ich wiederum auf meine Mutter zu wartete hatte, aber das dauerte. So erlernte ich, wie interessant Langeweile und wie freundlich Serviererinnen sein können.

Bob  erhob das Glas und trank auf die Ennui, wie die Franzosen zur Lageweile sagen.  Kathy. „Lass Dich nicht irritieren, er meint das positiv, gell Du magst dieses Gefühl der Öde?“ zu Bob gewandt.

Ich ließ mich auch von dem Blick, den sie in die Runde warf, nicht ablenken und erzählte weiter:

Meine Mutter hatte sie, da keine anderen Angehörigen und Freunde da waren, gepflegt und als sie nach langem Leiden verstorben war und Mutter zur Testamentseröffnung eingeladen wurde, hatte sie ihr Haus, das in Kitzbühel auf der Sonnseite in bester Lage lag….

Kathy unterbrach mich: „Deine Tante hatte dort ein Haus ? “ fragte sie verwundert, als würde ich dort nicht hingehören „Die Imobilienpreise sind am Sonnberg so hoch, wie in London, hat mir der Kimbacher erzählt –  Du weißt schon Boby, der Graf, den ma immer in der Bar getroffen hatten“, zu ihrem Man gewandt.

Ja, das war ja das Arge, sie hatte das Haus in dieser Toplage einem Heim für Waisenkinder in Wien vermacht.

Da schauten alle, verstand doch jeder, die Enttäuschung meiner Mutter, die immer wieder beteuerte:

„Ich hab mir nichts erwartet, aber das habe ich mir nicht vorgestellt, das sie das Haus ……..!“  Den Rest des Satzes konnten wir uns selbst denken.  Das bekamen wir über Tage, in den unmöglichsten Situationen zu hören, beim Abwaschen, oder wenn sie außer Haus gehen wollte und noch im Türrahmen stand, wenn sie ein Glas hob, um einen Schluck Wasser zu trinken, immer wieder kam der Satz aus ihrem Mund wie ein Seidentuch mit Knoten. Tagelang war sie auf nichts ansprechbar, was sonst nur vorkam, wenn die Jahresbilanz um einige Groschen danebenlag, auch da herrschte absolute Grabesstille.

Dann erzählte ich von dem Herrenportrait in Öl – welches in Ollys Wohnzimmer hing und das so besonders wirkte. Es musste aus jener Zeit stammen, in der die Tante noch jung gewesen war.

Nie wurde über das Bild, schon gar nicht über den Mann der darauf dargestellt war gesprochen. All meinen Fragen in dieser Richtung wurden übergangen, denn immer, wenn ich fragte, war gerade etwas sehr Wichtiges zu tun.

„Und deine Mutter wusste auch nicht, wer das war?“ fragte Kathy.

Ein früherer Freund soll es gewesen sein, nicht bedeutend, hieß es, aber irgendwie doch, wieso hing sonst sein Bild an so dominanter Stelle im Wohnzimmer? Ja, als junge Frau soll Tante Olly in Wien gelebt haben, ihre Freundin, meine Mutter, lebte damals mit meiner Schwester, die noch ganz klein war, in Wiener-Neustadt.

„Da war dann doch mehr … und das Waisenhaus?“ fragte Frau Wolf.

Jetzt wurde spekuliert was der Herr im Leben der Tante für eine Rolle gespielt haben mag.

Aber allen war klar: Aus der Verbindung mit dem Portraitierten muss ein Kind hervorgegangen sein, das die Tante dann dem Waisenhaus übergegeben hatte – warum auch immer – und nach ihre Tod wollte die Tante ihre Schuld bei denen, die das Kind aufgezogen, pflegten oder wie immer, beglichen haben.

Zu dem Ergebnis führten auch die Überlegungen, die in unserer Familie angestellt worden waren, aber Genaues wusste auch meine Mutter nicht, obwohl sie die beste Freundin von Tante Olly war.

Die Geschichte hatte einiges aufgewirbelt, waren wir doch schon bei Kaffee und Cognac angelangt, da fügte Frau Pellegrini eine Geschichte ihrer Verwandtschaft aus dem Süden an, die ihrer weiten Verwandtschaft immer wieder zu hören war, deren Verlauf und Wahrheitsgehalt aber ganz davon abhing, wer sie gerade erzählte.

Die einen rechneten die Tante dem Zweig der Pelligrini aus Mantua zu, andere versetzten die Tante nach England, sie selbst lasst es offen.

Als junges Mädchen war sie in ein fürstliches Haus gegeben worden, wo sie zur Köchin aufgestiegen war, die bald ihre Herrschaft über die Zimmermädchen, den Gärtner und Kutscher ausdehnen konnte. Der ältere Conte, dessen Gattin früh im Kindsbett zusammen mit der lange ersehnten Tochter verstorben war hatte sich lange nicht von dem Schock erholen können, so war ihm die tüchtige junge Frau vom Lande, deren Schönheit nicht nur von den Lieferanten bewundert wurde, gerade recht, sah er in ihr doch so etwas wie das Bild seine Tochter, die in dem Alter der Dienstperson gewesen wäre, würde sie noch am Leben sein.

Herr Pellegrini war zum Rauchen auf die Terrasse gegangen, und uns war bald klar, wie die Geschichte weitergeht: Herr nimmt die Junge vom Land zur Frau und beide werden ein glückliches und bewundertes Paar. „Stimmt schon, nur musste Tante Pamela lange warten, erst als der Conte, erblich bedingt, erkrankte und seinen baldigen Tod vor sich sah, entschloss er sich, seine inzwischen so verehrte Dame zu ehelichen,“ ergänzte Frau Pellegrini.

Jetzt aber begann erst die eigentliche Geschichte. Kaum war der Conte in seine Gruft abgesenkt rief Contess Pamela den Schneider, den Schuster, den Gerber, den Weber, den Tierpräperator und Bildhauer zu sich und gab folgende Anweisungen: Der Präparator solle zusammen mit dem Bildhauer ein Puppe von 60 cm anfertigen, die dem Grafen bis auf das Muttermal auf der Stirn gleichen sollte, der Gerber feinstes Leder für Schuhe, Handschuhe und Jagdkleidung ausfindig machen, und sofort gingen die Aufträge bis den Anwesenden die gesamte Gardarobe des Herrn in Puppengröße vor Augen stand, die sie jetzt nur mehr anzufertigen hatten.

Das rechte Auge von Frau Pellegrini zuckte immer wieder, aber nur so kurz, dass ich mich immer fragte, hat es nun gezuckt oder nicht, so war mein Blick gebannt auf ihr Auge gerichtet,  wann wird es zucken und an welcher Stelle der Geschichte…?

„Was geschah nun mit der Puppe?“ fragte ihr Mann, der an der Tür stehen geblieben war.

Die einen erzählen, zu jeder Malzeit wurde so gedeckt, wie in den letzten zwei ihnen verbliebenen Jahre. Es wurde gegessen wie immer, ihr geliebter Mann saß ihr, in Gestalt der Puppe, gegenüber.

Sie soll ihn auch neben sich am Sofa liegen gehabt haben wenn sie den Tee zu sich nahm. Andere aus der Verwandtschaft erzählen,  immer wenn sie ausgegangen war trug sie ihn mit sich und nach einiger Zeit dachte sich keiner mehr etwas wenn sie mit ihrem Mann am Arm einkaufen ging und diesen fragte, was er sich heute zu essen wünscht, sie wusste ja eh, was er antworten wird, ein scalopino.

In dem Moment hätte ich doch eine Verbindung zu der „Palmina“ herstellen müssen, aber das sehen nur wir, Sie als Leser und ich als Schreiber so. Vielleicht hatte mich auch das zuckende Auge so abgelenkt, auf jeden Fall fiel der Zusammenhang mir erst nach Tagen auf.

Als ich das Zeichenbuch verräumen wollte und schon ganz vergessen hatte, wieso ich es offen am Schreibtisch liegen gelassen hatte, warf ich noch einen kurzen Blick auf die Zeichnung und-da sah ich den Zusammenhang.

Pamela! Das kann ja niemand anderes als jene Palmina sein, der in Domodossola diese monumentale Skulptur errichtet wurde. Sofort rief ich Frau Pellegrini an, aber es war keiner da.

So musste ich selbst weitere Untersuchungen anstellen. Ich schrieb Piero Longhi an, telefonierte mit dem Archivar von Domodossola, der mich an den Barbier weiterleitete, der mich der Frau Orsini empfahl, deren Mutter beim Conte gedient haben solle, diese erwähnte den Künstler Ernesto Casagallo und dessen eigenwillige Interpretation, die so gar nichts mit dem zu tun hatte was ihre Mutter berichtete.

Um diese unendliche sich ausweitende Geschichten nur einigermaßen auszubreiten, müsste ich sie langweilen, so werde ich es mit einer Kurzfassung versuchen.

Wieso wurde die Figur dort aufgestellt? Jene liebe Tante, die ja selbst keine Kinder hatte, vermachte ihren gesamten Besitz, einige hunderttausend Hektar Weinbaufläche, verteilt über weite Gebiete Italiens, der Schweiz und Frankreichs, einer gemeinnützigen Einrichtung, an der Stadt und Kirche gleichermaßen profitierten. Die stiftung war an die unbedingten Auflage gebunder, der Errichtung einer Skulptur die ihren Mann und dessen Lieb zu Ihr darstellt.

Der Auftrag wurde wie angewiesen an den in der Region bekannten Künstler und Bildhauer Ernesto Casagallo vergeben, der diese sagenhafte Liebesbeziehung dann ganz eigen interpretiert hat.

Aber ich denke schon, würde der alte Conte des Weges kommen und dieser Skulptur sehen, er wäre entzückt, wie liebevoll seine Frau ihn da gerade hält!

DOMODOSSOLA

Domodossola

Von den Bergen, durch die tiefen dunklen Tälern kommend, mit dem Zug, vom Ort der Kamine, vom Pass der einsam stehenden Kiefern, vorbei an Untiefen, an Schattenflanken, von denen die Menschen im Sommer flüchten, fahr ich, hinunter ins sich Breitende, wo der Osso meandernd sich das Tal erobert, Sand und Schotter auswirft und alles grau vereinnahmt, bis in die Weite die grünt, dort wo Domodossola liegt, dort wo die Liebe seid Jahrhunderten gärt.

Prall ist sie geworden, in den vor sich hin dämmernden Renaissance-Häuser, wartend mit unsagbar melancholischem Blick auf alle die Liebhaber beiderlei Geschlechts, die sie irgendwann erkennen mögen.

Kein Reisebericht gibt Hinweise auf diesen Ort, kein Roman und nicht ein Gedicht handelt von ihm, doch jeder, der einen Sinn für Liebe hat und dem die Ohren davon klingen, dem die Augen davon übergehen, weiß von den sich unendlich wiederholende Freuden und der Tragödie, der an diesem Ort seinen Anfang findet, sein Zentrum hat.

Ihr wisst wovon ich spreche, denn auch ihr könnt, wie ich, an einem Sommertag, am Beginn dieses Jahrhunderts am Jugendstilbahnhof dieser Stadt ankommen. Der immer schon ein Durchgangsort war, für die, die es sehnsüchtig nach Süden zog.

Seid Ihr nicht hier angekommen, so seid ihr wohl gerade in einer andere Stadt, in der sich folgendes zuträgt.

Der Bahnhof in der Morgenstunde ist noch leer, eine Einsamkeit hat sich ausgebreitet die nur Wunder ankünden kann.

Eine Engländerin huscht vorbei, weit abstehend, luftig gelocktes weises Haare, ein leicht blasser Taint mit Sommersprossen, ein durchscheinendes Seidenkleid mit verwackelt verwaschenem Blumenmuster von damals.

Trotz verschlossenem Zugfenster rieche ich ihr Parfüm. Aber kaum ist sie aufgetaucht, ist sie wieder fort.

Die Beiden sitzen auf einer Bahnhofsbank unter dem Schild, das mit Schokoladenschrift Domodossola verkündet: Sie, ein Mongölchen im weiten grauen Trainigsanzug, mit kurzen Armen drallen Beinchen und ebensolchem Busen sitzt da und schaut ihn an: verliebt, verliebt, verliebt!

Er, ein Bein über das ihre gelegt, sie an sich drückend küsst ihren empfindsamen Hals. Was ihr unsagbar verklärtes Lächeln bis in den Körper erzittern lässt.

Ich schaue wie entrückt, denke nichts, kann mich einen Moment nicht bewegen, so rührt mich diese unschuldige Liebe. Ich höre mich ein stilles Gebet ausstoßen, lass sie, lass sie, lass sie so sein!

Er, nicht größer wie sie, hat dunkle kurze lockige Haare, ein breites Gesicht, mit einer kleinen Nase, einen ausdrucksvollen Mund und diese dunklen weit auseinander liegenden Augen. „Die Naivität eines Fauns“ denke ich. Sein Kopf mit kräftigen Backenknochen, dazu ihr Lächeln, das eine Welt anstrahlt, die ihnen alles erdenklich Gute schenken wird.

Die Liebenden am Bahnhof von Domodossola sind für mich der Stern der Orientierung geworden in der Nacht der dampfenden Garküchen. Er, der Stern seitdem die unendliche Sehnsucht nach Liebe nährt, die immer mit dem Namen Domodossola verbunden bleiben wird.

Beim Klang des Namens Domodossola klingt es in meinen Ohren, flirrt es vor meinen Augen, weitet sich der Brustkorb, wird der Gang geschmeidig.

So trat ich aus der Bahnhofshalle auf die Strasse, wo mich ein junger Elefant begrüßte.

Der entzückende Anblick des jungen Liebespaares hatte mich in jene Stimmung versetzt, in der es selbstverständlich erschien, dass in dieser Stadt der Liebe von einem freundlicher Elefanten begrüßt werde.

Seid diesem Moment kann ich mich nicht mehr von all den Elefanten erwehren, fast jede zweite Wolke wird zum fliegenden Elefant, im Zug sitzt einer mir gegenüber, im Kaffeehaus liest einer Zeitung und lächelt freundlich zu mir her, auf der Parkbank sitzt ein schlanker Elefant mit Handtäschchen, die Freundinnen meiner Mutter, alles Elefanten-Tanten.

Der kleine Elefant von Domodossola, gerade verlasse ich den Bahnhof, kommt auf mich zu, beschnupperte mich mit seinem feuchten Rüssel, gibt mir einen Begrüßungs-Kuss auf den Hals, einen auf die Stirn, dann stößt er mich auffordernd von hinten vorwärts, als wollte er sagen – Komm doch, jetzt mach schon! – bevor er den Einwohnern der Stadt, die aus ihren Häusern gekommen waren und die Gehsteige füllten ankündigte, hier ist jemand, der Domodossola entdeckt, der das Geheimnis erkannt hat.

Ja, und so geschah es, als ich durch die alten Gassen ging sah ich was sich in den Salons der alten Renaissancehäuser zugetragen hatte, konnte die Zeichen an den Ecken, bei den Eingängen, auf den Treppen, über den Türen lesen, hörte die Gesänge, die von den Terrassen und Balkone erklangen, hört, was die Kamine auf den Dächern erzählten, die vielen Schichten des Putzes legten ihre Texte frei die alle nur von einem, von der Liebe sprachen.

Am Bahnhof erahnte ich die Wege, die nach Domodossola führen, sah die vielen Wege die von hier fortwiesen und wüsste auch, ohne es noch aussprechen zu können von Bremen und all den anderen Orten die sich mir hinter Domodossola einreihen werden.

Ich sah die Vielen die sich auf dem Weg der nach hier machen und ankommen werden, aber wusste auch schon von den Vielen die sich im schroffen Gebirgen das diese Stadt umgibt verlaufen werden, sich schon verlaufen hatten.

Wer ist nicht aller eilig an Domodossola vorbei, ohne zu bemerken was ihm hier begenen wird?

Schnell wollen sie alle zum großen See mit den Toteninseln, oder weiter ans Meer um alle Kleider abzulegen, um in Massen am Meeres zu vergessen.

Dieses Kleinod hier wird aber einfach übersehen, überfahren, umgangen auf die Seite geschoben. So kommt es, dass die Häusern die Geheimnisse der Liebe aufbewahren, verbergen, behüten müssen.

Auch ich war in Liebesdingen nicht gewandt, ein Tölpel, wie die meisten Männer stolperte ich in mein Glück, ohne wirklich zu begreifen, wie und was mir geschah, hier aber war ich jetzt angekommen.

Ja, der süße Elefant hatte mich abgerochen, und von allen möglichen Stellen erspürt. Angedenk der sich gerade ereignenden Offenbarung ließ er aus seinem Rüssel eine Fanfare über die Mauern, durch die Tore und Fenstern der Stadt, bis an die Hügel und bis hin zum Delta des Ossola vernehmen, bis hinauf in die hohen Berge, wo sein Echo bis heute noch zu hören ist!

Die Friseurin, Madame Tschinella mit ihrer Frisur viel schnella, in abgetretenen Badelatschen, Friseuse Sorayja mit einer Frisur wie aus der Friteuse und niedlich kurzer Nase, Schuster Paolo Piatti, der vor Aufregung sein Herrentäschchen liegen gelassen hatte und dem die Serviette noch im Kragen stak, die Dame, mit Lockenwicklern und Morgenmantel, eine andere mit einfacher Kochschürze und diese Signora mit Aktentasche und Beneodner, den sie auffordernd unter ihren Busen geklemmt hatte: Sie alle staunten!

Und ich, staunte über das Staunen! Es war mir ja nicht zu Ohren gekommen, dass eine Art Messiasgerücht über der Stadt schwebt, das von Generation zu Generation weitergereicht wird, inzwischen aber etwas verblass geworden ist.

Einmal wird die Würde der Stadt, ihr Gründungsmythos offenbar werden, wir erzählt. Es wird sich ein junges Mädchens in einen jungen Maurerburschen verlieben und diese werden glücklich werden.

Ein junger Elefanten mit einem jungen ebenmäßig schönem Treiber wird in der Stadt sein, ein Durchreisenden wird in die Stadt kommen, der aufmerken und erkennen wird worauf wir warten und er wird es der Welt mit „ohne Gitter mit Twitter“ verkünden.

Und wie es bei Mythen so ist, gerade weil man nicht weiß was sie sagen werden sie weitererzählt. Im Laufe der Zeit war aber aus den Erzählungen, da ein Detail, dort eine Farbe verloren gegangen, Töne wurden umgetönt, ein Erzähler wollte ganz wahrhaft sein und hatte das Staunen fortgelassen, das Geheime wurde ausgelassen und nur die Tatsachen: Elefant, verliebtes Paar, junger schöner Elefantenführer, ein Durchreisender wurden tradiert.

Letztlich rankten sich um den schlanken, schön gewachsene Elefantenführer und seinem Elefanten mehr Geschichten als das blasse Erstaunen eines Durchreisenden hergab, der einmal vor langer Zeit im Zentrum der Erzählung stand, hing doch von ihm gedeih und verderben der Stadt ab. Er war ja nur ein flüchtiger Moment den zu halten nicht lohnt, wie die Liebe die wie ein Hauch da und wieder fort sein kann.

Zählen die unzähligen Kindern dieses Liebespaares nicht, erzählt ihr Leben nicht auch von dieser Liebe?

Das Paar am Bahnhof hat Generationen von Dichtern, Musikern und Landstreicher hervorgebracht, die ihr Verständnis von Liebe in die Welt trugen, an dem sich heute noch Trude, die 90jährige Briefträgerin orientiert, Paul der immer präsente Hausmeister, Rudi der für alle Gänse Hamburgs zuständig ist und Schubert, der gefeierte Komponist, der gegenwärtig die Städte durchzieht und sich als Spezialist für Abfalleimer und Gesimse auf denen vereinsamte Wurstsemmeln liegen ausgibt.

Dem versierten Beobachter muss aufgefallen sein, fast alle Einwohner dieses Städtchens hinken – wann dies überhaupt als Hinken bezeichnet werden kann? Es sieht so aus als würden sie einen Fuß nachziehen, oder Hämorrhoiden haben. Breitbeinig gestelzt die Männer, die Damen mit einem aufjauchzendem Hüftschwung, während Knaben und Mädchen sich immer hüpfend durch die Gassen bewegen.

Ich weiß wie verfehlt es sein kann, ein ganze Stadt gleich zu setzen, aber ich habe bemerkt: Alle Menschen, ob sitzend oder gehend, stehend auf Balkonen, auf der Leiter, oder beim Einkaufen, sogar wenn sie die Strasse queren wirken, als würden sie wachen Auges schlafen.

Kennen Sie den Schleier der wachträumende Menschen umhüllt? Sehen Sie an dem Tonus ihrer Körperhaltung, diese Spannung, des hell auf den Punkt gerichtet seins, dieses Streben hat hier niemand an sich. Denn das Helle ist heller, das Scharfe scharfer, das Verschwommene klarer, besser kann ich nicht beschreiben was Sie erleben, kämen sie nach Domodossola.

Bei alle der Herzlichkeit, Freundlichkeit und Klugheit die mir dort begegnen ist, wusste ich nie, ob mein Gegenüber „ganz bei Sinnen ist“. Ja, sie hören richtig: „Nicht ganz bei Sinnen“, waren alle, ob am Morgen oder in Mitten der Nacht. Alle denen ich in Domodossola begegnet bin fehlte ein Sinn.

Sie waren geschäftstüchtig, nicht zu sehr, lieferten den Menschen in den Bergen die, die Stadt umgaben alles was diese brauchten, wussten die Durchreisenden zu nutzen, hatten viele Menschen nach Mailand, Rom, ja nach Amerika und an die Kriege verloren, trotzdem berührte sie all dies nicht so, als würde es nur darauf ankommen, wie das in anderen Städten zu beobachten ist.

Nach dem Erlebnis am Bahnhof hatte ich mir – ich kann nicht sagen warum – mehr Zwerwüchsige , hatte ich mehr Gesichter von traurigen Clowns mit wirren Augen in der Stadt erwartet: Damen mit altmodischen Kleidern und dick überschminkten Gesichtern. Ich hatte alte Lüstlinge mit Schaal und Sonnenbrille und viele junge muskulöse Männer in T-Shorts, geölten Haaren und glänzenden Schuhen erwartet!

Aber nur ein Herr mit Überrock war mir aufgefallen, der mit einem kräftig schwarzen Bart ausgestattet war und buschig schwarze Augenbrauen, aber, wo wäre der nicht aufgefallen?

Und viele ältere Damen, die, auch wenn Sie Greisinnen genannt werden müssen vielen auf, die nur schön stolz und äußerst gepflegt aus dem Haus gingen, auf Stühlen vor ihren Häusern saßen, beim Einkaufen oder auf Stühlchen an den zwei drei Plätzen der Stadt anzutreffen waren.

Die älteren Männer hingegen, ja auch sie hatten Anzüge die einmal schön gewesen waren, jetzt aber verwaschen, vom vielen Bügeln hingen sie an ihren Körpern als käme es darauf an viel Luft zwischen sich und dem Stoff zu bekommen.

Vielleicht zeigen diese Männer mit Hauslatschen, ob jung oder alt, uns Fremden an, sie seien hier zu Hause: „Ihr Schuhträger dürfen unser Pflasten nur gastweise betreten – hier aber wohnen und sind wir, mit unserem Geheimnis!“

All die Conten, Contessinen, die Prinzessinnen und der Druchness, waren nicht zu sehen. Sie waren nur zu ahnen in der fortschreitenden Zeit und in dem sich bergendem Raum und nur dem Zeichner und Erzähler zugängig.

Kurz lässt er Contesse Annabell hintern Vorhang im ersten Stock ihres Palais erscheinen, der durch seinen hutartigen Aufsatz – anders kann ich das in Worten nicht ausdrücken – alle Blicke nach oben zog. Keiner hatte sie bemerkt, denn alle Blicke waren auf den jungen Burschen gerichtet der den Elefanten begleitete.

Einige sahen in ihm den Inder, andere vermuteten eine Pakistani,

die älteren, die noch den Krieg erlebt hatten meinten einen Abessinier zu erkennen, für andere war der ein Sarrazene.

Wie gesagt schön und ebenmäßig war seine Gestalt, seine Haut wirkte wie poliert, der Gang geschmeidig mit einem leichten Wippen in der Hüfte, sein Gesicht war von einem Lächeln durchzogen dessen edler Reinheit sich niemand zu entziehen vermochte.

Neben ihm trat der Elefant, ein Kind, trotz seiner Größe, in den Hintergrund, so aufmerksam verfolgten Männer wie Frauen die, schreitende Gestalt die selbstbewusst die Straßenmitte einnahm.

Kinder bewunderten ihn, ein kleines Mädchen das schon die ganze Zeit zwischen den Beinen der Erwachsenen herumgewuselt war lief mit seinem hellen Kleid zu ihm hin und zupfte an seiner Pluderhose, solange, bis er sie liebevoll auf den Arm nahm. Als er sie zurück zu den Eltern brachte, griff sie immer wieder nach seinen opalschwarzen Augen, scheinbar konnte auch sie deren Tiefe nicht fassen.

Zurück in der Mitte der leergefegten Strassen, die Autos waren in der zweiten Reihe stehen geblieben, hörte ich das Sing-sang das Kling-klang, das Plappern und die guturalen Laute die aus seinem Mund kamen, nein, aus seiner Brust, nein, aus seinem Scheitel entwichen sie.

Töne, die seinem tierischen Begleiter Richtung gaben, Töne, die ihm selbst, seine Gestalt zu geben schien, die, seine Gestalt selbstbewusst erstehen ließen, Töne, die diese Stadt aus ihrem Jahrhunder-Schlaf für einige Augenblicke erwachen ließ, für jenige Augenblicke, in denen wir ihr alle unsere Sinne öffneten, geleitet von diesem Sing-sang.

Das Schauspiel dauerte nicht lange, die Geschäftsinhaber, die Kunden und Passanten widmeten sich bald wieder ihren Alltagsrollen, nachdem beiden Elefant und Elefantenführer um die Ecke in einer Seitengasse verschwunden waren.

Der Klang und Rhythmus, der Sing-Sang und der schwingende Gang, bestimmte mein Gehen und Sehen ab und an immer noch – insbesondere am Morgen nach dem Aufstehen passt sich mein Gang dem Klang an und ich weiß, meine Elefanten folgen mir!

Sie haben recht – fertig ist die Geschichte noch nicht – Ja, es gibt noch viel zu erzählen, einiges kann nur aufgezeichnet werden!